V.I.P: Frau Leokadia Wiesenberg, 5.Dan Jiu-Jitsu, 1.Dan Karate


Leokadia Wiesenberg Sensei bei mehreren Kampfkunst-Vorführungen (Leokadia Sensei rechte Seite)

Mein Interview mit

Leokadia Wiesenberg Sensei

Welche Kampfkünste betreibst du?

Jiu-Jitsu, Karate und Aikido.

Weitere Kampfkünste auf Lehrgängen: Ki-Jitsu, Bo-Jitsu, Hanbo-Jitsu, Kubodo, Krav Maga, Combat-Arnis, Tae-Kwon-Do, Shaolin-Kungfu.

Beschreibe uns kurz den Weg zu deinen Kampfkünsten

Mit 18 Jahren empfahl mir meine damalige Physiotherapeutin, Judo als Therapie gegen meine Rückenschmerzen. Daraufhin habe ich nach einem entsprechenden Kurs gesucht, aber nur einen Kurs für Kinder in der Volkshochschule gefunden. In dieser Anzeige stand jedoch auch ein Kurs für Jiu-Jitsu, der mich sehr angesprochen hat, da dieser Kampfsport das Selbstbewusstsein fördert. Das war mein erster Kontakt mit der Kampfkunst. In den darauffolgenden Jahren habe ich weitere Kampfsportarten kennen und schätzen gelernt. Dazu gehören unter anderem Karate und Aikido.

Welche Graduierungen in deinen Kampfkünsten hast du erreicht?

5. Dan Jiu-Jitsu, 1. Dan Karate (Shotokan), 1. Kyu  Aikido, 2. Kyu Ki-Jitsu, 5. Kyu Hanbo-Jitsu, Krav Maga (erste Prüfung), 8. Kyu Kobudo, 9. Kyu Combat-Arnis.

Was sind deine Aktivitäten in den Kampfkünsten? (Schule, Club)

Leitung des Dojo´s Neubiberg, und Beauftragte für Jiu-Jitsu in der KBR-I (kokusai-budokan-renmei.ch)

Schülerin in Shotokan Karate bei Budokan-München.

Welchen Verbänden / Mitgliedschaften gehörst du und deine Schule an?

KBR-I mit meinem Dojo, Mitgliedschaft im Shotokan Karate bei Budokan-München, unter der Leitung von Christian Gembe.

Wer sind deine Vorbilder / Lehrer / Trainer? 

Erich Kirchgeßner, er war mein erster Trainer in Jiu-Jitsu, er vermittelte mir die Budo-Lehre und den Budogeist. Die Aussage von Erich, dass es zum Budogeist auch gehört, einem älteren Menschen über die Straße zu helfen, hat mich sehr begeistert.

Siegi Lory, von ihm lernte ich viele Techniken im Jiu-Jitsu, Bo-Jitsu, Hanbo-Jitsu.

Jim Vanderwille, der mir Kobudo und vieles mehr beigebracht hat.

Gudrun Hisatake, meine Karatelehrerin, sie schulte mich in Perfektion der Techniken, Kime (Spannung) und Timing der Katas (Form).  

Hans Hering, der mir Aikido in einer fließenden und weichen Art der Bewegungen beibrachte.

Was bedeutet die Kampfkunst für dich persönlich?

Für mich ist die Kampfkunst mehr als nur ein Verteidigungssport. Es ist eine Lebenseinstellung, die ich auch versuche, in meinem Alltag zu leben. Es ist nicht immer leicht, sich zurück zu nehmen oder den anderen den Vortritt zu lassen. Ich übe mich in Geduld. Man lernt nie aus, auch Menschen, die keine Kampfkunst machen, können einem viel vermitteln. Daher faszinieren mich solche Aussagen wie die eines 10-jährigen Jungen der gefragt wurde, was er einmal werden möchte: „ich möchte einmal glücklich werden“.

Ein Ziel der Kampfkunst ist für mich mein inneres Gleichgewicht zu finden, nicht andere Menschen zu beherrschen. Das setzt allerdings voraus, dass man sich selbst kennt, bzw. bereit ist, sich selbst kennen zu lernen. Eine Möglichkeit dies zu tun ist, wenn man an seine eigenen Grenzen stößt.

Außerdem kann ich durch die Katas (Formen) meine Energie aufladen, den Geist schulen und den Körper fit halten. Nachdem ich vor habe, 104 Jahre zu werden, möchte ich meinen Geist und Körper so lange es geht fit halten. Auch Qi-Gong und Somatik (Übungen, ähnlich wie Feldenkrais) helfen dabei, alles in Einklang zu bekommen.

Du bist aktuell Kampfkunstlehrerin in deinem Dojo in Neubiberg. Welche positiven Elemente aus der Kampfkunst nehmen deine Schüler mit hinaus ins Leben? 

In erster Linie muss die Gruppe gut miteinander harmonieren. Jeder sollte Rücksicht auf die anderen nehmen und sich selbst nicht in den Mittelpunkt stellen. Wir haben immer alles gemeinsam besprochen und sind füreinander da. Als ein weiterer wichtiger Punkt steht für mich die Gesundheit im Vordergrund. Nicht der Wettkampf und das Wetteifern untereinander sind wichtig, jeder leistet das, was er physisch und psychisch leisten kann. Es wird immer auf den „Schwächsten“ Rücksicht genommen. Ich bin genauso Schüler, wie alle anderen. Die interessanteste Erfahrung hatte ich mit einem Schüler, der mit 16 Jahren zu uns kam. Er war erst sehr unausgeglichen und etwas rüpelhaft. Durch Training und den vielen Gesprächen, die ich mit ihm hatte, hat er sich so verändert, dass er der beliebteste unter den Mitschülern wurde. Er schrieb mir mal, dass ich für ihn die wichtigste Person in dieser Zeit gewesen bin und er mir sehr dankbar für alles ist. Wenn alle nur einen Teil aus der Erfahrung unserer gemeinsamen Zeit mitnehmen, wäre das schon sehr viel.

Welche Botschaften kannst du an unsere Gesellschaft aussenden, wenn es um die Lebensphilosophie wie Beharrlichkeit, Kontinuität, Demut und Werte geht?

Jeder Tropfen höhlt einen Stein. Geduld ist eines der wichtigsten Eigenschaften, um etwas zu erreichen.

Daran sieht man, dass Wasser zwar weicher als der Stein ist, aber kontinuierlich den Stein auszuhöhlen vermag.

Meine Lebensphilosophie ist, die Natur mit ihren Kräften zu sehen. Kindern und Tieren zuzuschauen, denn sie sind im Hier und Jetzt, sie handeln aus ihrem Herzen heraus.

Leokadia Sensei, ich danke dir für das Interview.

J.Sturm